Kinderbücher über Vielfalt: Warum Diversität in der Kinderliteratur keine Nische ist

Kinderbücher über Vielfalt: Warum Diversität in der Kinderliteratur keine Nische ist

Kinder bemerken Unterschiede früher, als viele Erwachsene denken. Sie sehen, dass Familien verschieden aussehen. Sie nehmen wahr, wenn jemand anders spricht, sich anders bewegt oder eine andere Hautfarbe hat. Was Kinder mit diesen Wahrnehmungen machen, hängt stark davon ab, was sie in ihrer Umgebung lernen. Kinderbücher über Vielfalt sind dabei eines der wirkungsvollsten Werkzeuge, die Familien und pädagogische Fachkräfte zur Verfügung haben.

Warum Repräsentation in Kinderbüchern zählt

"Jedes Kind verdient es, sich in Büchern wiederzufinden." Dieser Satz steht auf der Marta Press Website und er bringt etwas Grundlegendes auf den Punkt.

Kinder, die sich in Büchern nicht sehen, lernen früh, dass ihre Lebensrealität nicht zur Welt der Bücher und damit nicht zur erzählten Welt gehört. Das hinterlässt Spuren. Gleichzeitig lernen Kinder, die ausschließlich Figuren begegnen, die so aussehen und leben wie sie selbst, dass ihre eigene Perspektive die einzig relevante ist.

Beides ist ein Problem, und Kinderbücher über Vielfalt und Toleranz können beides korrigieren.

Dabei geht es nicht darum, Kinder mit Botschaften zu überwältigen oder pädagogische Pflichtprogramme abzuarbeiten. Die wirkungsvollsten Bücher sind einfach gute Geschichten, in denen Figuren vorkommen, die die bunte Realität unserer Gesellschaft widerspiegeln.

Was diverse Kinderbücher leisten können

Gut gemachte Kinderbücher über Vielfalt bewirken Folgendes:

Sie normalisieren, was viele Kinder in ihrer eigenen Familie oder Umgebung erleben. Ein Kind mit zwei Müttern sieht sich endlich in einem Buch wieder. Ein Kind mit einem Vater aus einem anderen Land hört eine Geschichte, in der das ganz selbstverständlich ist.

Sie regen Gespräche an. Bücher schaffen einen sicheren Raum, um Fragen zu stellen, die Kinder vielleicht zögern, direkt zu stellen. "Warum hat das Mädchen zwei Mamas?" ist eine Frage, die beim Vorlesen leicht entsteht und zu einem echten Gespräch führen kann.

Sie fördern Empathie. Kinder, die in Büchern Perspektiven kennenlernen, die sich von der eigenen unterscheiden, entwickeln ein breiteres Verständnis dafür, wie die Welt für andere aussieht.

Sie geben Kindern in Minderheitensituationen Selbstwert. Repräsentation sendet eine klare Botschaft: Du gehörst dazu. Deine Geschichte ist es wert, erzählt zu werden.

Flora und der Honigkuss: Das erste queere Kinderbuch von Marta Press

2016 erschien bei Marta Press "Flora und der Honigkuss", das erste queere Kinderbuch des Verlags in der Kinderbuchreihe Ruby & Morticia. Es war damals eines der wenigen deutschsprachigen Kinderbücher, das gleichgeschlechtliche Liebe ganz selbstverständlich und kindgerecht erzählt.

Das Besondere an diesem Buch und an der gesamten Ruby & Morticia Reihe ist das Selbstverständnis: Vielfalt wird nicht als Thema behandelt, das erklärt oder verteidigt werden muss. Queere Figuren, unterschiedliche Familienkonstellationen und diverse Lebensrealitäten sind einfach Teil der Geschichte. So, wie sie Teil des Lebens sind.

Jetzt die Kinderbücher der Reihe Ruby & Morticia entdecken

Du bist einzigartig: Geschlechternormen spielerisch hinterfragen

Ein weiteres Buch aus dem Marta Press Programm, das Kinder in ihrer Einzigartigkeit stärkt, ist "Du bist einzigartig". Ein kuscheliges Faultier begleitet das Kind Luca durch den Alltag. Das Buch möchte gängige Geschlechternormen aufbrechen, denn jenseits von Rosa und Blau, von "typisch Mädchen" und "typisch Junge" liegt eine Welt, in der Kinder einfach sie selbst sein dürfen.

Gerade Kinder zwischen vier und acht Jahren erleben den Druck sozialer Erwartungen besonders stark. Dieses Buch gibt ihnen das Gefühl: Es ist vollkommen in Ordnung, so zu sein, wie du bist.

Das KIMI-Siegel: Qualitätsmerkmal für Vielfalt in der Kinderliteratur

Eltern und Fachkräfte, die nach vertrauenswürdigen Empfehlungen für diverse Kinderbücher suchen, können das KIMI-Siegel als Orientierung nutzen. KIMI steht für "Kinder in die Mitte" und zeichnet Kinder- und Jugendbücher aus, die Vielfalt und Inklusion besonders gut umsetzen.

2019 wurde das Marta Press Kinderbuch "PS: Es gibt Lieblingseis" mit dem KIMI-Siegel für Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Eine Bestätigung dafür, dass die Qualitätsansprüche des Verlags auch von außen anerkannt werden.

Kinderbücher über Inklusion: Die "Alle dabei!" Reihe

Marta Press verlegt auch eine eigene Reihe inklusiver Kinderbücher in Leichter Sprache: "Alle dabei!" Die Bücher dieser Reihe wurden gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen entwickelt, die selbst Erfahrungen mit dem Ausgeschlossensein gemacht haben. Ihr Ziel: Alle sollen Spaß an Geschichten haben können, unabhängig von Lesefähigkeit oder kognitiven Voraussetzungen.

Bücher wie "Anja und der besondere Apfelkuchen" und "Noah und der Besuch in der Eisdiele" erzählen alltägliche Geschichten in einer Sprache, die für alle zugänglich ist. Das ist Inklusion nicht als Konzept, sondern als gelebte Praxis.

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Wie Eltern und Kitas diverse Kinderbücher einsetzen können

Bücher allein verändern nichts. Aber Bücher als Ausgangspunkt für Gespräche können viel bewirken. Ein paar Ideen für den Alltag:

Bücher nicht nur an besonderen Anlässen hervorholen. Ein Buch über eine Familie mit zwei Vätern muss nicht nur dann gelesen werden, wenn ein Kind in der Kita fragt, warum das so ist. Es darf einfach im Regal stehen und regelmäßig vorgelesen werden.

Auf Fragen ohne Wertung antworten. Wenn ein Kind fragt, warum Flora zwei Mamas hat, ist "Weil es Familien in ganz verschiedenen Formen gibt" eine vollständige Antwort. Kinder brauchen keine langen Erklärungen, sie brauchen Gelassenheit.

Den Kindern Raum geben, selbst Verbindungen herzustellen. "Kennst du jemanden, dessen Familie auch so aussieht?" Oder einfach: "Wie fandest du die Geschichte?"

Marta Press: Unabhängig, gesellschaftskritisch, aus Hamburg

Marta Press wurde 2013 von Jana Reich in Hamburg gegründet. Als unabhängiger Verlag trifft Marta Press Entscheidungen nicht nach Marktforschung, sondern nach Überzeugung. Das Verlagsprogramm zieht sich durch alle Bereiche: gesellschaftskritische Sachbücher, feministische Streitschriften, Belletristik, Graphic Novels, und eben Kinderbücher, die zeigen, dass die Welt vielfältig ist.

Das ist kein Nischenprogramm. Es ist ein Programm, das die Realität ernst nimmt.

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