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Roger Willemsen (1955-2016)

Erstellt am Montag, 08. Februar 2016 17:09

Wollten Sie die Welt ein bisschen besser machen?

Willemsen: Ja! Und zum Teil mache ich das aus meinem Bedürfnis heraus, wenigstens zu einem Teil für andere Leute zu leben. Ich glaube, jedes Leben wird dadurch besser, dass man es auch für andere lebt. Und wenn man so privilegiert lebt wie ich und eine Öffentlichkeit finden kann und dazu noch im Bereich der Kommunikation arbeitet, also schreibt, dann sollte man um Himmels Willen irgendwas tun, das anderen hilft. Das ist eine Pflicht.

(...)

Worin besteht für Sie der Sinn des Lebens?

Willemsen: Der Sinn besteht darin, die gegebene Frist sinnvoll zu nutzen. Nicht nur Spaß zu haben.

(...)

Und wenn die Frist dann um ist - was ist mit einem Leben nach dem Tod? Haben Sie Angst davor?

Willemsen: Darüber kann ich nichts wissen, und das betrübt mich nicht.

Und wie wollen Sie die Frist nutzen, die Ihnen noch bleibt?

Willemsen: Da für mich zu den größten Glückszuständen der Zustand der Produktivität gehört, also etwas hervorzubringen, richtet sich meine Glücksvorstellung in erster Linie auf das, was ich noch werde hervorbringen können. Das heißt, Bücher, die ich im Kopf habe, Dinge, die ich sinnvoll oder notwendig finde.

(aus seinem letzten Interview im Sommer 2015, Katholische Nachrichten-Agentur)



Muss man den Tod fürchten?

Mein Vater starb, als ich 15 war. Er hatte Krebs, zwei Jahre musste ich mit ansehen, wie er in seinen Kräften reduziert wurde. Dieses eine Ereignis hat sich so eingeprägt, dass es bis heute Botenstoffe abgibt. Den Tod fürchte ich nicht. Aber das Sterben.

(...)

Der Tod meines Vaters, dieses schockhafte Erlebnis, war und ist mein Knacks. Der andere Knacks ist das Gefühl, alleingelassen zu sein, ungeliebt zu sein. Die Feier des Augenblicks ist der Versuch, der Erde verhaftet zu bleiben. Ich zitiere gern den Satz von Colette, die gegen Ende ihre Lebens sagte: „Eigentlich hatte ich ein wunderschönes Leben, leider habe ich es zu spät gemerkt.“ Ich will es rechtzeitig merken.

(...)

Auch wenn es langweilig klingt: Lieben ist der letzte und größte, immerwährende Traum. Das ist auch der Traum von einem Liebesverhältnis, das bleibt, das belastbar ist, das sich immer weiter entfaltet, das Wachstum beinhaltet und an kein Ende kommt, das sich keine Grenzen setzt. In dem der eine der Selbstentfaltung des anderen nützt und sie nicht einschränkt.


(Quelle: http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2012/die-liebe-ist-der-groesste-immerwaehrende-traum-14947)